Materiale Textkulturen
Teilprojekte
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B13

Wissensordnung und Biographie: Kalkulierte Handschriftlichkeit in der gedruckten Wissensliteratur der Frühen Neuzeit (16. und 17. Jahrhundert)

 

aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Teilprojektleiterin Dr. Sylvia Brockstieger
Mitarbeiterin Rebecca Hirt

 

 

 

Projektbeschreibung

Das Teilprojekt untersucht die Interaktion von individuellen Schreibpraktiken und gedrucktem Text in wissensliterarischen Büchern der Frühen Neuzeit, die dem Druckzeitalter angehören und die über Durchschuss oder ein entsprechendes Seitenlayout auf handschriftliche Eintragungen hin angelegt sind. Es beleuchtet die spezifische Materialität solcher Buchobjekte zwischen Handschriftlichkeit, gedrucktem Text und Bildmaterial und legt die produktions- und rezeptionssteuernden Gegebenheiten ihrer sozialen Einbettung offen, um der Lebendigkeit von Praktiken non-typographischer Schriftkultur im Zeitalter des Buchdrucks näherzukommen. Zusammen mit den Teilprojekten A06 (Schneidmüller), B04 (Liss) und B14 (Trede) wird die Materialität von Geschriebenem zwischen Handschrift und Druck theoretisch konzeptualisiert.

Stammbuch der Dorothea von Anhalt-Zerbst (geführt 1618 bis 1634) = Andreas Friedrich, Emblemata Nova, das ist/ New Bilderbuch [….], Frankfurt: Lucas Jennis 1617 (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: Cod. Guelf. 231 Noviss. 8°), S. 68+4f.

Der Fokus im Teilprojekt B13 liegt auf Texten mit biographischer Bedeutung, nämlich auf Schreibkalendern und auf solchen Stammbüchern (alba amicorum), die auf Emblembüchern beruhen. Die Interferenz von fixiert-enzyklopädischen und dynamisch-individuellen Wissensbeständen, ihre material-topologischen Erscheinungsformen im Artefakt (handschriftlicher und gedruckter Text, Bildmaterial) sowie die daran geknüpften persönlichen (Biographie), sozialen (Universität, Hof, Stadt, Militär) und literarischen (Darstellungs- und Schreibstrategien, Narrativierungstendenzen) Praktiken stehen dabei im Mittelpunkt. Zuletzt wird nach der Bedeutung dieser Egodokumente für die autobiographische und biographische Literatur der Frühen Neuzeit gefragt: Die Frage nach Schreibpraktiken in den Selbstzeugnissen und die nach strukturellen Spuren der Selbstzeugnisse in faktualen und fiktionalen Lebensbeschreibungen beleuchten sich gegenseitig.

[Anonymer Besitzer], Gallus Emmen, Almanach und Schreibkalender auffs 1575. Jahr […], Bautzen: Michael Wolrab [1574] (Bayerische Staatsbibliothek München: Res. Chrlg. 323n), A4vf.

Bezug zum SFB-Programm/Vernetzung

  • Es werden Materialitätsprofile der gewählten Artefakte erstellt, die Bedingungen ihrer (sozialen) Präsenz erschlossen (Topologie) und sich anschließende Praktiken der Welt- und Lebensorganisation beleuchtet (Praxeographie).
  • Die Konzeptualisierung des materialen Wandels hin zur Typographie wird in Zusammenarbeit mit den Teilprojekten A06, B04 sowie B14 und im Themenfeld 4 „Materialer Wandel“ vorangetrieben (u. a. Tagungskooperation).
  • Fragen des Layouts (Themenfeld 5) und der Wissensorganisation (Themenfeld 1) stehen im Zentrum der Projektarbeit.

GastwissenschaftlerInnen am TP

  • Mercator-Fellow an den TP A06 und B13 (10/2020-12/2020): Dr. Saskia Limbach

Organisation von projektbezogenen Workshops, Tagungen und Panels

  • 20. bis 23. Februar 2022, Dr. Sylvia Brockstieger und Rebecca Hirt: Organisation und Leitung der Tagung „Between Manuscript and Print. Transitions, Simultaneities and the Question of Shifting Meanings“ zusammen mit den Teilprojekten A06, B04 und B14 des SFB 933 in Heidelberg.
  • 23. bis 24. September 2021, Dr. Sylvia Brockstieger und Rebecca Hirt
    Organisation und Leitung der Tagung „Handschrift im Druck: Annotieren, Korrigieren, Weiterschreiben: (1500-1800)“ in Heidelberg.
  • 23. September 2019, Dr. Sylvia Brockstieger: Organisation und Leitung des Panels „Lebenszeit und Weltzeit in der Frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert)“ im Rahmen des 26. Germanistentags 2019 in Saarbrücken, 22. bis 25. September 2019

Projektbezogene Publikationen

  • Rebecca Hirt: Rezension zu: Kiening, Christian: Poetik des Kalenders in der Zeit des frühen Buchdrucks. Studien und Texte, in: Germanistik - Internationales Referatenorgan mit bibliographischen Hinweisen, Bd. 61 (2020), H. 3-4, S. 977.
  • Sylvia Brockstieger: Kalendarik als literarische Dispositionsform – Grimmelshausen, Rist, Bärholtz, in: Simpliciana, Bd. 42 (2020), S. 175-188.

Projektbezogene Vorträge

2021

  • 09.-11. Dezember 2021, Dr. Sylvia Brockstieger: Lebensordnung und Zeitreflexion. Zum Verhältnis von Kalendarik und Erzählen in der Frühen Neuzeit
    Vortrag im Rahmen des Workshops „Liminale Temporalität in der Frühen Neuzeit“ an der FU Berlin, 20. bis 22. September 2021)
  • 03.-04. Dezember 2021, Rebecca Hirt: Layers of writing in bimaterial genres: the relationship of handwriting and print in early modern calendrical diaries
    (Vortrag im Rahmen des Workshops „Authority of Layers – Layers of Authority: On the Internal Dynamics of Multilayered Written Artefacts and their Cultural Contexts“ am Center for the Study of Manuscript Cultures in Hamburg, 3. bis 4. Dezember 2020

--- vergangene Vorträge ---

2021

  • 24. März 2021, Rebecca Hirt: Kalendarik in der Literatur der Frühen Neuzeit (Vortrag im Rahmen des 1. Doktorand*innenkolloquiums des SFB 933, 24. bis 25. März 2021)

2020

  • 12. November 2020, Dr. Sylvia Brockstieger und Rebecca Hirt: Rethinking the paratext between handwriting and print: the case of the calendaric diary (Vortrag im Rahmen des Workshops „Demarcations in Premodern Texts / Grenzen in vormodernen Texten“ des TP A06 des SFB 933 in Heidelberg, 12. November 2020)
  • 8. August 2020, Dr. Sylvia Brockstieger: (Un-)Ordnung der Zeit. Reflexion der Kalendarik bei Grimmelshausen (Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der Grimmelshausen-Gesellschaft „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ in Münster, 6. bis 8. August 2020)

2019

  • 18. Dezember 2019, Dr. Sylvia Brockstieger: Projektvorstellung an der Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Jörg Wesche)
  • 16. Dezember 2019, Dr. Sylvia Brockstieger: Literatur als materielles und immaterielles Erbe. Konsequenzen für die Literaturgeschichtsschreibung (Vorlesung im Rahmen der Ringvorlesung des Heidelberg Zentrum für Kulturelles Erbe, HCCH: „Das kulturelle Erbe der Menschheit. Chancen und Problematik eines populären Konzepts“)
  • 06. Dezemberg 2019, Dr. Sylvia Brockstieger und Rebecca Hirt: Projektvorstellung im Rahmen des dritten Treffens des Forschungsverbundes „Frühe Neuzeit Südwest“ in Tübingen
  • 23. September 2019, Dr. Sylvia Brockstieger: Verwaltetes Leben, erzähltes Leben. Schreibkalender zwischen Literatur und Wissen (16. bis 18. Jahrhundert) (Vortrag im Rahmen des 26. Germanistentags 2019 in Saarbrücken, Panel: „Lebenszeit und Weltzeit in der Frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert)“, 22. bis 25. September 2019)
  • 3. April 2019, Dr. Sylvia Brockstieger: Moscheroschs Schreibkalender
    (Vortrag im Rahmen der Tagung „Johann Michael Moscheroschs Textwelten: Interdisziplinäre und internationale Konferenz anlässlich seines 350. Todestages“ in Willstätt, 3. bis 5. April 2019)

 

Teilprojekte der 3. Förderperiode

A01 A02 A03 A05 A06 A08 A09 A10 A11 A12 B01 B04 B09 B10 B13 B14 B15 C05 C07 C08 C09 C10 INF Ö2 Z

 

 

abgeschlossene Teilprojekte

A01 A03 A04 B02 B03 B06 B07 B11 B12 C01 C02 C03 C04 C06 IGK Ö1

 

 

Mitglieder des SFB

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